17. September 2014 – DEKLARATION – So Geht’s Nicht – Es Reicht Jetzt ! | [ Inklusive ] Schule Und Bildung In Berlin

17. September 2014 – DEKLARATION – So geht’s nicht – es reicht jetzt !

17.09.2014

Deklaration

Berliner Eltern haben genug vom Sparen, und machen mobil für einen Weg in eine gelungene Inklusive Schule, die Basis für eine Inklusive Gesellschaft von klein auf.

So geht’s nicht* – es reicht jetzt !

Inklusion – das Zauberwort, zunehmend Lippenbekenntnis und Lippenlärm, eine Bildungsreform, ein MUSS auch in Berlin. 2011 vom Berliner Senat und dem Berliner Abgeordnetenhaus auf den Weg gebracht, von der UN – Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) seit März 2009 gefordert – im Rückwärtsgang auf dem Rücken der Schwächsten, inzwischen auf dem Rücken ALLER.

Inklusion könnte bezaubernd sein, der Schmelztiegel für viele zukünftige Generationen werden – bei den Jüngsten fängt es an: Lernen voneinander, miteinander, lernen für die Zukunft aller. Sie sind jene, die später Arbeitsplätze schaffen, sind jene die mit Unterstützung diese Arbeitsplätze nutzen…

Inklusion – derzeit eine Illusion. Hinter diesem Begriff verbirgt sich in Berlin DAS Sparkonzept des Senats für Bildung, Jugend und Wissenschaft, des Senats für Finanzen – ein Haushalt ohne Blick in die Zukunft, ohne Blick auf Nachhaltigkeit und Investition jetzt, um zukünftig hohe Kosten zu mindern. Der falsche Blick, rein fiskalpolitische Entscheidungen z.B. auf eine der entscheidenden Säulen hin zur inklusiven Schule in Berlin – der Unterstützung durch Schulassistenz bzw. Berliner SchulhelferInnen – sorgt für schlechte Bildung des Einzelnen, belastet alle, ist Teil von fehlender Nachhaltigkeit.

Die aktuelle Misere bei der Bemessung der Berliner Schulhelferstunden hat das Fass zum Überlaufen gebracht – es reicht jetzt! Es offenbart das Dilemma von Grundauf: Es besteht eine personelle, räumliche und sächliche Unterversorgung der Schulen, es wiederholen sich jährlich Umverteilungskämpfe zwischen Schulen und Bezirksämtern, es suchen Jahr für Jahr ratlose Eltern nach einer richtigen GUTEN Schule für eine steigende Anzahl von Kindern mit unterschiedlichstem Förderbedarf. Sie drängen in die Regelschulen, sie kommen im Rollstuhl, sie können schwer hören oder nicht sehen, sie kommunizieren anders als alle anderen ohne Sprache mit Computer, sind manchmal sehr verhaltensinteressant, sollten weder Hausunterricht noch Klinikschule erhalten. Sie brauchen Platz, Qualität im Unterricht und Ganztag, Lern- und Lehrmaterial, Fachkompetenz, manchmal auch intensivere Unterstützung (individuelle Gewährleistung von Assistenzen, pflegerische, medizinische und therapeutische Unterstützung).

Sie sehen sich in den Berliner Schulen all dem nicht gegenüber!

Der personelle Krankenstand steigt auf Grundlage all der fehlenden, nicht intelligent gedachten sowie knapp bemessenen Notwendigkeiten nachweislich – was die Not nur noch verschlimmert. Ein Teufelskreis, der längst in Gang gekommen ist, und vor allem eines hervorbringt: Verlierer – Alle Kinder und deren Familien, Pädagogen und Pädagoginnen, Schulleiterinnen und Schulleiter, jedweden Akteurs in einer Berliner Schule. Wir sind von inklusiver Beschulung sehr weit entfernt, und die Entfernung wächst. Dies alles auf dem Rücken der Schwächsten und das setzt sich fort und wird weiter so geplant !

So begann das neue Schuljahr 2014/15 an vielen Berliner Schulen – wie leider auch schon in den Jahren zuvor – mit erneuten Streichungen in diesem wichtigen, wenn auch sehr unsichtbaren Bereich von Schule. Bis zu 30 % wurden einzelnen Schulen die für die Begleitung einzelner SchülerInnen so wichtigen Schulhelferstunden gestrichen. Dazu gesellt sich der fehlende Rechtsanspruch auf das gesetzte Menschenrecht auf Schulassistenz – Assistenz hat etwas mit Qualität und Bedarfsgerechtigkeit zu tun, ist Teil des Rechtes auf Bildung und individuelle Unterstützung. Sie hat nichts mit Haushalt, Deckel, internen Anweisungen der Bildungsverwaltung zu tun, und auch nichts mit einem Schulbegleiter für fünf Kinder in unterschiedlichen Klassen, Etagen, manchmal auch verschiedenen Schulgebäuden! Die chronische Unterversorgung bleibt, trotz stetig wachsender Schülerzahlen mit einem Anspruch auf Unterstützung – Zahlen, die der Senatsverwaltung für Bildung bekannt und die zu erwarten waren, denn die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung ist politisch gewollt.

Hintergrund der Streichungen von Schulhelferstunden ist der sogenannte „Deckel“ bei den vom Senat finanzierten Berliner Schulhelferstunden nach einer Verwaltungsvorschrift (kein Gesetz!). Die Summe, die für die Finanzierung von Schulhelfern pro Bezirk zur Verfügung steht, unterliegt seit 2008 einer Deckelung. Sie steigt also nicht an, unabhängig von der Zahl der Kinder mit einem Anspruch auf Hilfe durch SchulhelferInnen. Die Kinder kommen aber – zunehmend – und eben auch jene die manchmal komplexe, kontinuierlich zur Verfügung stehende Unterstützung benötigen. Auch das ist politisch so gewollt, auch wenn es zu oft über die Versagung von Unterstützung hintenherum entweder gleich oder nachträglich zur Lenkung hin in die Sonderbeschulung kommt. Die zur Verfügung stehenden Stunden werden also jedes Jahr aufs Neue zwischen den Schulen hin und her geschoben. Bekommt eine Schule mehr, werden sie an einer anderen weggekürzt. Wer schreit, wird bedient, so das Vorgehen und Motto seit Jahren. Daraus resultiert die für alle LehrerInnen, PädagogenInnen, Eltern und SchülerInnen so absurde Situation, dass eine Zunahme an Inklusion zu einer schlechteren Versorgung und in der Praxis immer schlechter werdenden Schule führt! Die Effekte:

  • Das spielt die Schulen, Eltern und Partner auf dem Weg gegeneinander aus.
  • Das spaltet Schulen und alle Kinder in Gewinner und Verlierer.
  • Das verhindert gute Zukunft, Nachhaltigkeit, Synergieeffekte, gute Bildung für alle.
  • Das senkt die Unterstützung aller Schulen und Eltern sowie Partner im Prozess für das Konzept der Umsetzung Inklusiver Bildung in Berlin.
  • Das bringt Inklusive Bildung in Berlin schon jetzt und auf lange Sicht gänzlich zum Scheitern.
  • Das lässt die Schwächsten im Bildungssystem wieder mal alleine und zurück. Es benachteiligt und diskriminiert, wo es fördern und offen sein soll, um aktive Teilhabechancen und gleichberechtigten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu realisieren!

Wir fordern von der Berliner Politik:

Inklusion ist nicht umsonst zu bekommen ! Mit Kindern experimentiert man nicht ! Weder mit jenen im Jetzt noch mit jenen in der Zukunft!

  • Weg mit der Deckelung des Schulhelferhaushalts! Her mit einer kindzentrierten, individuellen Schulbegleitung, deren maßgeblicher Hintergrund der individuelle und konkrete Bedarf des Kindes sein muss ! SchulleiterInnen und LehrerInnen dürfen dies konkret beschreiben ohne vorherige Zensierung ihrer Aussagen durch den Senat für Bildung und Jugend.
  • Schulhilfe, dazu gehört Qualität und Qualifikation (manchmal konkret für das einzelne Kind), hin zur Schulassistenz, entsprechende Bezahlung qualitativ hochwertiger Assistenzleistungen, kein „Helfersyndrom“ mehr, her mit einem rechtsmittelfähigem Bescheid für die Familien !
  • Schluss mit der Umverteilung des Mangels; Schluss mit der Spirale nach unten, gegen Umverteilungskämpfe und Entsolidarisierung !
  • Für eine bedarfsgerechte Versorgung und Bemessung mit Unterstützungsmaßnahmen für Kinder mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen für alle Bereiche (SoPäd, FacherzieherInnen, SchulhelferInnen) !
  • Inklusion braucht bedarfsgerechte finanzielle und personelle Ressourcen, um eine inklusive Beschulung diskriminierungsfrei und unter Gewährung der „angemessenen Vorkehrungen“ (z.B. bedarfsgerechte Schulbegleitung für den Einzelnen) entsprechend des Anspruchs des Berliner Schulgesetzes herzustellen und abzusichern !
  • Für Planungssicherheit an den Schulen und für Eltern, für eine bessere räumliche und personelle Ausstattung von Regelschulen !
  • Inklusion ist kein Sparpaket ! Inklusion ist für alle da und geht alle an ! Inklusion ist mehr als das, woran es derzeit deutlich hapert! Es geht um Zukunft, nicht nur für das einzelne Kind, auch für Schulen, die Gesellschaft, das Leben nach der Schule !

Inklusion muss praktisch lebbar werden – jeden Tag, mit viel Einsatz, Herzblut und langem Atem von allen, auch der Politik, den Senatsverwaltungen, dem Abgeordnetenhaus, den Bürgerinnen und Bürgern von Berlin.

Ein bisschen Inklusion gibt es nicht und geht nicht! Genauso wenig wie ein bisschen Flughafen geht, oder Olympiabewerbungen, Berliner Schloss, Staatsbibliothek… All das verschlingt monatlich so viel Geld – locker kann man davon hundert Deckel zum Wohle und Erfolg nachhaltiger und zukunftsträchtiger Bildung lösen!

Die Politik muss sich entscheiden: Inklusive Bildung – somit die Basis einer kommenden Inklusiven Gesellschaft fördern: Ja oder Nein?!

Sonst müssen die Bürger über die derzeitige und zukünftige Politik entscheiden: Ja oder Nein !

Die Eltern der Kinder mit und ohne Behinderung, deren Unterstützer, Netzwerker und die wachsende Zahl anderer.

Die Eltern der Charlotte Salomon Grundschule, Großbeerenstrasse 40, 10969 Berlin.

Weitere Informationen zum Thema auf der Internetseite: http://inklusive-schule-berlin.de

Kontakt: info[@]inklusive-schule-berlin.de

Download der Deklaration

*Resolution Berliner Eltern, Mai 2011

17. September 2014 von adm
Kategorien: Auftakt - So geht's nicht! | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Pingback: Inklusive Schule Berlin: Macht mit! Kommt gern! Meldet euch! | [ Inklusive ] Schule und Bildung in Berlin

  2. Hallo ihr lieben
    Ich finde Eure Aktion großartig Respekt.LIEBE POLITIKER UND BEAMTE IHR LEITET UNSEREN STAAT, RESPEKT. ABER WAS MACHT IHR MAL WENN IHR, EURE KINDER, UND KINDES KINDER, KRANK UND EINSAM WERDET? WAS ICH EUCH NICHT WÜNSCHE. IHR LEGT EUCH EURE EIGENEN KETTEN AN SPARMASNAMEN AM FALSCHEN ORT UM DEN HALS.
    Inklussion darf kein Thema bleiben da es ein Menschenrecht ist und zwar nicht nur auf dem Papier sondern und vor allem in der Praxis lebbar sein.
    Weil Gesundheit für niemand Selbstverständlich ist.
    Eine unterschiedliche Gesellschaft braucht eine Einheit an Respekt, Achtung und Fürsorge, MENSCHLICHE SENSIBILITÄT für sich selbst und den anderen, sonst ist er am Ende verloren. MANN HAT SO FIEL ZEIT UND GELD, LEIDER GIBT MANN DAS MEISTENS NICHT FÜR DAS WESENTLICHE AUS. DIE GESUNDHEIT UND DAS MENSCHLICHE MITEINANDER.
    ABER LASST UNS KÄMPFEN FÜR EINE EINHEIT MENSCHLICHER SENSIBILITÄT WO MENSCHEN NICHT GEGENEINANDER KÀMPFEN, SONDERN FÜHR EINANDER DA SIND.
    L. DEMMLER

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